November 13, 2018

ZWISCHEN ANTISEMITISMUS UND ANTIZIONISMUS

ZWISCHEN ANTISEMITISMUS UND ANTIZIONISMUS

ARABERINNEN UND ARABERN WIRD IMMER WIEDER ANTISEMITISMUS VORGEWORFEN. DOCH WORAN LIEGT DAS? HESHAM MOADAMANI KOMMENTIERT DAS PROBLEM.

 

I m April dieses Jahres beleidigte ein junger Mann arabischer Herkunft einen Kippa tragenden Mann in Berlin und griff ihn körperlich an. Nach dem Übergriff kam es zu einem Aufschrei und das Problem des Antisemitismus in Deutschland rückte wieder in den Fokus. Schnell wurde in Debatten über Rassismus und Antisemitismus gesprochen. Allzu häufig wurde pauschalisiert. Und das ist kein Einzelfall. Immer wieder wird Araberinnen und Arabern Antisemitismus vorgeworfen. Genau hier kommt es zu weiteren Problemen. Der Begriff Antisemitismus ist wörtlich genommen eine Missbildung. Würde man Antisemitismus nämlich wortwörtlich übersetzen, so bedeutete dies die Ablehnung aller, die von Noahs Sohn Sem abstammen. Dazu gehören unterschiedliche Gruppen, die den Nahen Osten bevölkert haben – unter anderem die Aramäer, die Assyrer und die Kanaan. Laut dieser Definition sind also nicht nur Jüdinnen und Juden Semiten sondern auch Araberinnen und Araber. Heute wird Antisemitismus jedoch meist in anderer Form benutzt. Denn der Begriff, der im 19. Jahrhundert im Umfeld des Deutschen Wilhelm Marr entstand, beschreibt nun die Ablehnung von Jüdinnen und Juden als Gruppe.

 

MANGELNDES BEWUSSTSEIN

 

Aber warum können arabische Menschen dann Antisemitinnen und Antisemiten sein, obwohl sie auch als Semitinnen und Semiten gelten? Das Problem liegt meiner Meinung nach in einer Vermischung verschiedener Ebenen. So richtet sich die Wut vieler Araberinnen und Araber eigentlich gegen die Politik Israels, da Palästinenserinnen und Palästinenser ihrer Meinung nach ihrer Rechte beraubt werden. Doch obwohl der israelischpalästinensische (arabische) Konflikt eine politische Realität ist, wird er immer wieder auf die Religion bezogen. Klar ist, jeder Mensch kann kritisieren, wie Palästinenserinnen und Palästinensern behandelt werden. Doch die Ablehnung von Jüdinnen und Juden als Religionsgruppe und die Behauptung, dass sie die Welt beherrschen oder die Leugnung des Holocaust sind falsch. Die Leugnung des Holocaust und Gewalttaten sind zu Recht strafbar. Nachdem mehrere arabische Staaten in Krisen gerieten, kamen viele arabische Flüchtlinge mit diesem Gedankengut in westliche Länder. Dies führt nicht nur dazu, dass Flüchtlinge auf eine Mehrheitsbevölkerung treffen, die den Holocaust als schändlichen Teil ihrer Geschichte verinnerlicht hat, sondern es führt auch dazu, dass Neuankömmlinge Begrifflichkeiten nutzen, die in Deutschland als antisemitisch wahrgenommen werden. Manche von ihnen sind sogar gewaltbereit. Sie sind oft Opfer ihres mangelnden Wissens. Medien haben in ihrer Rolle versagt, ihnen die Unterschiede zu verdeutlichen. Darüber hinaus haben aggressive, religiöse Prediger die Situation missbraucht und ihre hasserfüllten Botschaften verbreitet. Leider haben viele Menschen diese verinnerlicht.

 

ANTISEMITISMUS HAT VIELE GESICHTER

 

In diesem Zusammenhang sollte man beachten, dass Antisemitismus nicht genuin etwas Arabisches oder Muslimisches ist. Antisemitismus hat eine viel ältere Geschichte. So warfen Christinnen und Christen Jüdinnen und Juden im ersten Jahrhundert nach Christus vor, Jesus gekreuzigt zu haben. Allein aus diesem Grund wurden Jüdinnen und Juden aus vielen Teilen Europas in die ganze Welt – auch in arabische Länder – vertrieben. Ich finde, dass es zu viele Missverständnisse rund um den Begriff des Antisemitismus und einen zu starken. Missbrauch des israelisch-palästinensischen Konfliktes gibt. Aber egal in welcher Form Antisemtismus auftaucht, er ist grundsätzlich nicht tolerierbar. Insgesamt braucht es eine stärkere Aufklärungsarbeit: Es muss sowohl über Antisemitismus als auch über Antizionismus aufgeklärt werden

Related posts

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: